Naturfreunde wollen Fische demnächst aussetzen
Bremervörde (ZZ/oer). Die Oste wird als erster Fluss in Niedersachsen versuchsweise mit dem seit Jahrzehnten in Deutschland verschollenen Europäischen Stör besetzt: Am Sonnabend, 18. April, sollen mehr als 55 Jungfische nördlich von Bremervörde in der Unteren Oste ausgesetzt werden. Das wurde bei einem "Stör-Gipfel" im Bremervörder Kreishaus bekannt, zu dem der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) rund 20 Vertreter der Landkreise Cuxhaven, Stade und Rotenburg sowie von Sportfischer- und Naturschutzverbänden begrüßte.
Die Entscheidung, gerade die Oste für einen "experimentellen Besatz" mit dem urtümlichen Kaviarfisch auszuwählen, begründeten Fachleute von der Gesellschaft zur Rettung des Störs mit der Gewässer- und Strukturgüte der Oste, der geringen Beeinträchtigung durch die Schifffahrt und mit der geplanten Beseitigung von Wanderhindernissen wie dem Wehr in Bremervörde. Darüber hinaus sind die Verdienste der hiesigen Sportfischervereine um die Wiederansiedlung des Lachses und die intensive Öffentlichkeitsarbeit für den Artenschutz gelobt worden, teilt Projektleiter Jörn Gessner mit. Im Übrigen stelle das "Jahr der Oste" einen guten Zeitpunkt für den Startschuss dar.
Als "Ritterschlag für die Oste" empfanden die Vertreter der Ostepachtgemeinschaft der Sportfischer sowie der Arbeitsgemeinschaft Osteland die Entscheidung der Experten, den längsten niedersächsischen Nebenfluss der Elbe für das Experiment auszuwählen. Die OPG, der 22 Vereine mit 5600 Sportanglern angehören, unterstützt bereits seit 1995 die Arbeit der Stör-Gesellschaft.
Den Sportanglern rund um die Zuchtanlagen in Lamstedt, Sittensen und Zeven ist es zu verdanken, dass die Oste seit Jahren als "Deutschlands Lachsfluss Nummer eins" gilt, führte Gessner aus. Zu den Teilnehmern des "Stör-Gipfels" zählte übrigens auch der für die Wiederansiedlungserfolge mit dem Osteland-Kulturpreis ausgezeichnete Sportfischer Ernst Peters aus Zeven. Um das Verhalten der Oste-Störe nach der Besetzmaßnahme erforschen zu können, sollen alle Jungfische markiert und einige zusätzlich mit Ultraschallsendern ausgestattet werden, deren Signale von stationären Bojen und von einem Forschungsboot aus telemetrisch erfasst werden können.
Verläuft das Experiment positiv, soll der Fluss, sobald genügend Besatzmaterial verfügbar ist, in eine größer angelegte Einbürgerungsaktion einbezogen werden. Das Ziel sei ein "sich selbst etablierender Bestand". Scharf kritisierten die Experten Versuche von Anglern, exotische Störe, die in Baumärkten, Gartencentern und im Internet frei erhältlich sind, in heimischen Gewässern auszusetzen.
Solche Faunenverfälschung durch konkurrierende Arten könne Fischkrankheiten auslösen und gefährde die jetzt betriebene Ansiedlung des Europäischen Störs.
Quelle: Zevener Zeitung www.zevener-zeitung.de/CMSartikel/lokales/artikel.asp?ID=36348&oldID=484&path